24. März 2025
Das Berghotel Mummelsee ist nicht nur für Schwarzwald-Besucher ein lohnendes Ziel. Das große Haus beherbergt in jedem Jahr ganz besondere Gäste, nämlich Mehlschwalben, die sich das Hotel als Nistplatz ausgesucht
haben. Es sind rund 40 Nester, die die Vögel am Hotel und am Nebengebäude unter die Dachvorsprünge gebaut haben.
Franz Panter und Martin Klatt vom NABU-Kreisverband Mittelbaden haben nun Karl-Heinz Müller, dem Geschäftsführer des Hotels, die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ verliehen. Damit wird signalisiert, dass die
gefährdeten Vögel hier gern gesehen sind. Karl-Heinz Müller berichtet, er sei schon von Gästen darauf angesprochen worden, sie fänden es ausgesprochen gut, dass den Vögeln am Hotel ein Bleiberecht eingeräumt
wird. „Es ist faszinierend, wie die Schwalben auch bei größtem Besucherandrang geschickt und schnell ihre Jungen im Nest versorgen“, so Müller. „Es ist in jedem Jahr eine große Freude, wenn die Schwalben nach
ihrem langen Zug aus dem Winterquartier wieder zu uns zurückkehren“.
Für Franz Panter ist es unverständlich, dass manche Hausbesitzer Schwalbennester von der Hausfassade herunterschlagen, weil die Vögel ihren Kot fallen lassen und damit die Wände beschmutzen. „Es ist so
einfach, das zu verhindern, indem man unter den Nestern ein Brett zum Auffangen des Kots befestigt, so wie hier am Mummelsee-Hotel“.
Dabei ist das Entfernen oder auch das Verhängen der Nester mit Drähten nach dem Naturschutzgesetz verboten. „Der gesetzlich vorgeschriebene Schutz der Nester gilt bei den Schwalben auch außerhalb der Brutzeit, denn sie
werden normalerweise über viele Jahre in Folge bewohnt“, so Klatt.
Karl-Heinz Müller erklärt, dass das Kotbrett vor der nächsten Brutsaison noch gereinigt werden müsse. Von Franz Panter bekommt er als Dankeschön für sein Engagement zwei künstliche Doppelnester überreicht, damit die Schwalbenkolonie noch wächst. Müller freut sich über diese Fertighäuser und merkt an: „Wenn wir sowieso auf der Leiter den Kot entfernen, können wir gleich die neuen Kunstnester anbringen“.
Für die Vögel sei es enorm wichtig, nach ihrem anstrengenden Heimzug aus Afrika bezugsfertige Nester zu finden, erklären die NABU-Aktiven. Die Vögel könnten so ab Mitte April gleich mit der Brut beginnen, statt erst mit
großem Energieaufwand ein neues Nest bauen zu müssen.
Der Blick auf die Rote Liste der Brutvögel in Baden-Württemberg zeigt die Notwendigkeit, den Schwalben zu helfen: In Baden-Württemberg lebten zwischen 2005 und 2011 noch 45.000 bis 65.000 Mehlschwalbenpaare. Im
Zeitraum von 2012 bis 2016 waren es nur noch 38.000 bis 58.000 Paare. Dieser negative Trend setzt sich derzeit weiter fort. “Wenn mehr Menschen die Schwalben so wie hier willkommen hießen, müsste man sich um ihre
Zukunft nicht so viele Sorgen machen“, zeigen sich Klatt und Panter beeindruckt von der Situation am Mummelsee-Hotel.